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Interview mit Wladimir Megre - 9. März 2003 - Zürich

Natürlich beschäftigt jetzt uns alle ein aktuelles Thema - aktive Vorbereitung zum Krieg, politisches Lager. Was könnte jetzt, Ihrer Meinung nach, die Situation in der Welt verändern?

Vor allem ist es nötig, die Ursachen der Kriege anzusehen. Der Krieg auf der Erde zwischen den Menschen dauert doch schon lange, gleichsam Jahrtausende. Wir wissen, wie Ägypten kämpfte, wie römische Legionäre kämpften, wie Kreuzritter kämpften. Wir wissen, dass es Bürgerkriege gab, wir wissen, das es Recken gab. Das ist ja eine interessante Frage, dass die Menschheit kämpft und kämpft, kämpft und kämpft ununterbrochen. Und wenn man aufmerksam hinschaut, so sind alle Kriege inspiriert. Im allgemeinen sind sie durch irgendwelche Klügeleien inspiriert. Es gibt bestimmte Kräfte, für sie sind die Kriege sehr günstig. Und nicht in den Heerführer, die die Welt zu erobern versuchen, bestehen diese Kräfte, sondern in den Ideologien. Es hat sich auf der Erde so gestaltet, dass sich solche Ideologien in der letzten Jahrtausend entwickelt haben, die, im ganzen genommen, Leute zum Krieg antreiben. Ich habe nun dieses Beispiel schon im Buch angeführt. Da existieren zwei Ideologien, in einer wird gesagt: Gib alles ab, in der anderen - nimm alles. Die Menschen werden erzogen in diesen Ideologien, und natürlich werden sie miteinander Krieg führen. Was die heutige Welt betrifft, nun sagen wir diese Spannung da zwischen der moslemischen und christlichen Welt, sie ist eindeutig und offensichtlich. Die Diplomaten versuchen Gespräche zu führen, doch vergeblich. Ich wiederhole, in den Jahrhunderten, Jahrtausenden konnten die Diplomaten nichts erreichen. Die Kriege dauern fort. Da müssen vor allem die Ideologen Gespräche führen, und sie führen diese Gespräche nicht, sondern machen alles verkehrt.

Das heißt, wenn man Ideologie ändern würde, gäbe es keine Kriege?

Ja, natürlich, nur das.

Und kann man das, was in den Büchern geschrieben steht, Anastasias Ideologie nennen?

Ich würde es nicht einfach Anastasias Ideologie nennen, sie hat einfach eine andere Ideologie vertont, eine andere Ideologie, die einfach zum Frieden führt. Und in der Praktik ist es bewiesen worden. Wenn die Rede von Familienlandsitzen ist, so reagieren Leute gleich positiv sowohl in Deutschland, als auch in Italien, und in Poland, und in Bulgarien, und in Kanada. Und beginnen einander zu schreiben, beginnen miteinander Freundschaft zu schließen, übrigens, auch im Israel, und in der arabischen Welt. In manchen Regionen jedoch verbreitet sich das Buch mehr, in manchen weniger, doch Leute reagieren gleich. Das heißt, nehmen wir Prozent der Menschen, die das Buch gelesen haben, das kann da Menschen fest zusammenschließen. Ja, das ist eine andere Ideologie.

Sie meinen also, dass die Ideologie, die in den Büchern dargelegt ist, heute zu den akzeptabelsten für die Menschheit zählt?

Die Praktik hat gezeigt, ja! Das wird gleich angenommen von Menschen verschiedener Nationalitäten, verschiedener Glaubensbekenntnisse, verschiedener Mentalitäten, verschiedener Staaten.

Sie haben gesagt, dass Deutsche und Russen irgendwann ein Volk waren. Wann und warum fand aber die Trennung statt?

Die Trennung begann vor 3-4 tausend Jahren, und sie geschah auf Basis der Machtverteilung. Das ist eine einfache Frage. Und warum ist die Sowjetunion zerfallen? Weil eine bestimmte Kategorie von Führern auf einmal volle Macht wollte. Eine Sache ist, wenn Weißrussland ein Teil des Staates, und ganz andere, wenn es ein selbständiger Staat ist, ebenfalls die Ukraine, das Kasachstan usw. Folglich gibt es überall einen eigenen Präsident. Der Präsident hat eigenes Flugzeug, gibt eigene Ukase heraus. Das heißt, er ist nun ein Fürst in seinem Dorf. Braucht das tatsächlich das Volk? Ich bin ja in der Ukraine geboren, meine Nationalität ist Weißrusse, und meine Verwandte leben in der Ukraine. Hatten sie es nötig, dass es zwischen uns eine Grenze gab? Natürlich nicht! Aber, nichtsdestoweniger, sie existiert. Genauso geschah die Trennung in bestimmten Zeitperioden zwischen den Völkern. Wir sind doch sogar äußerlich gleich - die Deutschen, die Russen, die Weißrussen. Nimm sie alle, zum Beispiel, stelle sie hin, vermische, kleide sie gleich an und nur wenige werden unterscheiden können, wer ist wer, wenn nicht jeder seine eigene Sprache sprechen würde. Und dafür, dass sie gleich sind, spricht noch, dass sie schlichtweg ähnliche Kulturen haben. Und was die Periode vor zweitausend Jahren betrifft, sagen alle, dass Russlands Vereinigung stattfand, da hat ein Fürst mehrere Ländern vereinigt, ein anderer. Nichts dergleichen. Das Aufkommen der Fürsten ist ja Russlands Trennung. So wie auch jetzt, wie die Trennung von Sowjetunion geschah, weil jemand so etwa wie Fürst sein wollte, genauso entstanden Fürstentümer, die es früher nicht gab. Ein Fürst tat sich hervor, sonderte sich mit den Grenzen von anderen ab, und dann kämpften sie miteinander. Jeder Eroberer meint, dass er Wohl bringe. Und natürlich wird der Gewinner seine Taten schicklich traktieren. Er wird nicht sagen, ich wollte viel Macht, viel Geld, wollte viele Leute unterwerfen und viel Land unterordnen. Er wird sagen, dass er Wohl bringe, dass er den Staat vereinigt habe. Da habe ich zwei Beispiele angeführt, daraus sieht man, wie die Trennung von Menschen in Staaten und Nationalitäten geschehen worden ist.

Einige Menschen, besonders jene, die mit einer Religion verbunden sind, meinen, dass Ihre Bücher von Kirche und Gott wegführen. Was sagen Sie nun davon?

Ich denke, es ist umgekehrt. Sie bringen die Menschen näher zu Gott. Das, was Anastasia sagt und tut, zieht im Gegenteil die Menschen an Gott. Und was "von der Kirche" betrifft, von welcher Kirche nun konkret? In der Kirche halten doch die Menschen - Geistlichen - einen Gottesdienst, und sie sind ach wie unterschiedlich. Ich wurde erzogen von meinem geistigen Vater - einem Mönch des Sergius Dreifältigkeitskloster, Vater Feodorit. Ich erinnere mich immer mit Dankbarkeit an Umgang mit ihm. Es gibt aber andere Geistlichen, mit denen ein Umgang unangenehm für mich ist, deswegen sollte man nicht verwechseln, genauer gesagt, Gott mit Kirche gleichsetzen. Auf der Erde gibt es eine große Menge von Religionen und jede Religion hat eine gewisse eigene Richtung, doch Gott ist ein, deswegen soll die Geschichte entscheiden, wer von ihnen Recht hat. Es gibt einen weisen Ausdruck: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." Bisweilen gab es auf Grund von Religionen, wie wir aus der Geschichte wissen, sehr viele Kriege. Ob das nun Gott wollte, dass es Kriege gab? Ob Gott wollte, dass die Kreuzfahrer in die Hände Schwerter nahmen und ganze Siedlungen aushackten, ins Feuer Kinder-Andersgläubige warfen, wie sie meinten, dass sie einen richtigen Glauben hätten, und manche nicht. Nehmen wir Menschen, die mit Anastasias Aussagen bekannt sind, und betrachten ihre Taten, was sie wünschen, was diese Menschen möchten. Sie möchten das Land veredeln, doch sie möchten es nicht einfach mit Worten. Viele sagen ja, dass es nötig sei, dass auf der Erde alles gut sein sollte. Und diese Menschen nehmen ein Hektar Land, setzen Bäume darauf, versuchen, ihr kleines Vaterland zu schaffen. Und sie haben gar kein Wunsch, selbst in Gedanken sich in einen Schlamassel hereinzuplatzen oder ein Wortgefecht anzufangen oder ein Krieg auf dem physischen Plan zu führen. Dies sind konkrete Taten.

Diese Leute haben ihr Hektar erhalten und sie brauchen etwa nichts mehr?

Ja, indem sie ihr Hektar bekommen, richten sie ihren Gedanken darauf, wie man in der Tat sein eigenes Land veredelt, und eine Menge von Religionen versuchen das Volk auf ein Kampf mit irgendjemand, mit Andersgläubigen, zu erheben. Da sind ihre Taten und hier Anastasias Taten. Jetzt lasst uns anschauen, welche Taten nun Gott näher sind, jene, die sich bemühen mit Feuer und Schwert ihre Ideologie einzuführen oder die Taten, wenn ein Mensch das Land veredelt. Auch einem Kind ist es klar, dass es die Taten sind, wo ein Mensch das Land veredelt. Deshalb würde ich nicht Anastasia mit solchen Taten vergleichen, natürlich ist sie näher zu Gott, als jemand, sei er auch einer von allerhochgestellten Geistlichen.

In Deutschland haben die Menschen etwa in reiferen Jahren die Bücher über Anastasia angenommen. Die Jugend bleibt abseits, in den Discos, bei den Fernsehgeräten mit amerikanischen Thrillern, mit ihren Computern, Horrorfilmen usw., liest praktisch keine Bücher. Wie Ihrer Ansicht nach könnte man ihnen die Ideen Ihrer Büchern näher bringen und was kann die Situation verändern?

Sie haben richtig gesagt, dass es eine bestimmte Kategorie von Menschen gibt, und nicht nur unter der Jugend, die einfach keine Bücher liest. Sie lesen überhaupt nichts. Ich denke, alles zu seiner Zeit. Es ist nicht nötig und sogar schädlich, dass alle jene oder andere Bücher lesen, darunter auch "Anastasia" und auch so tun würden. Das wäre schlecht, das wäre ein negativer Faktor, wer würde dann auf die Welt aufpassen und sie in einem nötigen Zustand aufrechterhalten. Aber jene Kategorie von Menschen, die es gelesen, verstanden und zu wirken begonnen hat, wird mit eigenen Taten es anderen zeigen und andere leiten.

Die Voraussetzungen für die Gründung der Familienlandsitze sind schon in Russland geschaffen, wenigstens kann man ein Hektar für 50 Jahre in Pacht nehmen, mancher kann auch kaufen, weil das Land nicht so teuer ist, das alles also schafft man schon in Russland, man hat schon viel Erfahrung gesammelt. Was, Ihrer Meinung nach, könnte man in Deutschland unternehmen, um Aastasias Idee näher zu bringen, die Idee vom Schaffen eines Familien Stammsitzes? Kaufen kann das nur ein sehr reicher vermögender Mensch.

Nun, jetzt ist es so, weil solche Gesetze jetzt existieren, die in Deutschland für etwas ganz anderes geschrieben wurden, aber die Zeit läuft und es werden andere Gesetze erscheinen, die Leser haben doch das Stimmrecht und sie werden an Wahlen teilnehmen und ein bestimmtes Programm wählen. Das ist erstens, was die Behörden in Deutschland voranbringen könnten. Zweitens, das ist eine Bewusstseinsänderung jener Menschen, die schon Land haben. Ein Landwirt zum Beispiel hat 100 Hektar Land, in einiger Zeit wird er herrlich verstehen, dass die Erzeugnisse von seinem Land - Gemüse, Obst - die er mit Hilfe von Maschinen, Dünger bekommt, die werden nicht in solchem Maße aufgefordert, wie man sie jetzt verlangt. Die Menschen wünschen sich immer mehr reine natürliche Nahrungsmittel, einige von den Landwirten werden das begreifen und ein Teil des Landes an andere Leute abgeben oder verkaufen. Da, bitte, ein Mensch wird leben umgeben von wunderschönen Nachbarn, sie werden ihm dankbar sein und ihre Nachkommen werden an ihn in Ewigkeit denken: Jener hat ein Teil seines Landes abgegeben oder verkauft und es ist eine wunderschöne Oase auf Erden gebildet worden. Und drittens, die Grenzen sind doch eine erdachte Sache, ein Teil der Menschen wird das Land in Russland erhalten, dort kommt jetzt auf jeden, Baby eingeschlossen, 3 Hektar Land. Viel Land ist verlassen, versaut, ungepflegt, Erosion ausgesetzt, weil es dort keine Leute gibt. Es gibt riesige Territorien - kasachische Steppen, wo man Oasen machen kann, es gibt riesige unerschlossene Territorien Sibiriens. Ja was gibt's da zu sagen - Kasachstan, Sibirien, Steppen, 30 % des Landes in der Region Rostow ist unerschlossen - nur ein halber Tag fahren bis zum Schwarzen Meer, wo das schönste Klima, da wachsen wunderbare Weintrauben, und noch 20 % des Landes stirbt eben dort an Erosion des Bodens. Wenn man also diese Fragen lösen möchte - kann man sie lösen. In Deutschland gibt es natürlich weniger Land pro Kopf, als wo auch immer, aber nicht alle möchten doch Land nehmen und so leben, wie Anastasia sagt. Und für die Anzahl der Menschen, die so leben möchten, findet sich auch in Deutschland das Land.

Die Fortsetzung eben dieser Frage: Anastasia spricht vom Familienlandsitz, die Menschen versuchen Ekosiedlungen zu schaffen, da beginnen Leute an ein besseres Grundstück für sich zu denken, Beleidigungen, Streitigkeiten und dergleichen kommen auf. Die Theorie geht mit der Praktik auseinander, die Landschaft unterscheidet sich, es gibt unterschiedliche Böden usw. Wurde vielleicht die Idee nicht richtig verstanden oder liegt die Sache an uns?

Nein, die Idee ist sehr präzise, wunderschön, und all diese Fragen werden leicht lösbar sein. Mehrmals wurde mir die Frage gestellt: Und was, wenn sich alle dort Land wünschen, wo die Schwarzerde, mildes warmes Klima ist, wo alles wächst usw. und keiner wird Land nehmen in den Orten, wo das Klima rauer und ein schlechterer Boden ist. Die Praktik zeigt - nichts dergleichen, jener, der in Sibirien geboren wurde und dort lebt, der möchte auch das Land in Sibirien nehmen. So geschieht es irgendwie, man hat nicht vor, in den Süden zu fahren und dort das Land zu nehmen. Jemand, der im Nationalkreis Chanty-Mansi lebt, der wünscht sich dort einen Grundstück. Und was die ekologische Siedlung betrifft - nehmen wir an, das Projekt ist geschaffen, die Grundstücke sind verteilt, einem wurde der Grundstück auf dem Ufer eines Flusses oder eines Baches zuteil - das ist gut, dem anderen irgendwo weiter. Die Menschen haben begonnen auf ihren Grundstücken zu schaffen und nach 2-3 Jahren möchten sie schon nicht mehr miteinander tauschen, weil bei dem Menschen eine gewisse Verbindung zu diesem Grundstück, eine gewisse Verbindung zur Erde, eine gewisse Liebe entsteht. Sie verhalten sich gegenüber mit Liebe. Mit anderen Worten, wenn bei Ihnen ein Kind geboren wurde und plötzlich, Gott bewahre, hinkt es leicht, ich würde das freilich niemandem wünschen, und beim Nachbarn ein Kind geboren wurde, das nicht hinkt. Nun sind die Kinder, sagen wir mal, 1-2 Jahre alt, und was, möchten die Mütter Kinder tauschen? Nein, natürlich nicht. Das eigene Kind wird stets das beste, das attraktivste, das schönste, das klügste und das liebste sein. Genau dasselbe geschieht auch mit dem Land.

Da sagen Sie, dass ein Mensch, der in Sibirien geboren wurde, nirgendwohin fahren würde, weil es ihm dort gewohnt ist. Aber die Deutschen-Übersiedler und andere Emigranten, davon sind jetzt in Deutschland um die 3 Millionen, kamen aus Kasachstan, Kirgisien, Turkmenistan, Russland und anderen Plätzen, wenn sie zurückkehren möchten? Bisweilen aber kann man nirgendwohin zurückkehren. Viele Orte, aus den man ausgereist ist, existieren überhaupt nicht mehr, manchmal sogar geographisch. Die Menschen überlegen, wohin sie zurückkehren sollen. In diesem Zusammenhang entsteht die Frage: Wo ist es besser? Wird sich das Klima ändern?

Selbstverständlich wird sich das Klima verändern. Ein klares Beispiel, und das habe ich schon mehrmals angeführt, ist das Zypern. Auf dem Zypern gibt es ein sehr großes Problem mit dem Süßwasser. Sie bauen dort Gruben, wo das Wasser sich sammelt, dann verlegen sie Rohrleitungen... Ein großes Problem gibt es auf dem Zypern mit dem fruchtbaren Boden. Der Boden ist felsig. Mit einem Erdbohrer machen sie Löcher, bringen mit dem Lastkahn Mutterboden, schütten in diese Löcher und pflanzen dann Bäume. Das Klima auf dem Zypern ist wunderbar, aber es gibt eben solche Probleme. Ob es dort immer solche Probleme gab? Nein, natürlich nicht immer. Vor etwa zweitausend Jahren war Zypern ein großartiger paradiesischer Raum, dort wuchsen viele-viele Zedern, der Boden war großartig, fruchtbar, die Römer begannen jedoch die Zedern abzuholzen und daraus ihre Schiffe zu bauen. Und ein großes Teil der Zedern haben sie abgeholzt. Die Insel an und für sich ist nicht groß, ja genauer ist sie klein. Als man die Wälder abgeholzt hat, ist nun der Boden karg geworden, es fehlte dann an Wasser. Warum hat so etwas stattgefunden? Weil um die Insel herum gibt es Windwirbel, die Zedern hielten diesen Wind auf, und damit auch ein Wölkchen, das Niederschläge brachte. Es gab genügend Niederschläge, es gab sehr viele Bäche, die jetzt ausgetrocknet sind. In Küstengewässer gab es sehr viele Fische, die jetzt verschwunden sind. Die Fische sind verschwunden, als man den Wald abgeholzt hat. Da, schauen Sie nun, Fisch und Wald, und wie sie in einer wechselseitigen Beziehung stehen. Warum? Ja weil an der Küsten gab es durch fließende ins Meer von der Insel Bäche mehr Süßwasser. Durch den Wasserkreislauf gab es genug Süßwasserniederschläge, und das unterstützte die Balance der Küstengewässer. Der Wald war nicht mehr da, die Wassersalz-Balance - gestört, der Fisch war weg. Jetzt gibt es ja auf dem Zypern keinen normalen Fisch, die Küstengewässer sind sehr salzig geworden. Und natürlich ist es ein größerer Wald nötig. Und wenn man jeden Landsitz mit 25 % Wald besetzt? Rechnen sie mal, zum Beispiel, ein Million Hektar und ein Viertel ist mit Wald besetzt. Natürlich wird sich das Klima ändern bei dieser Bedingung, natürlich wird sich der Boden verbessern, natürlich wird es mehr Niederschläge geben, mehr Käferchen, mehr Spinnen, Vögelchen, die Natur wird mehr arbeiten.

In den Büchern und auf den Konferenzen sprechen Sie viel von dem Nutzen des Zedernöls. Benutzen Sie selbst das Zedernöl und wie wirkt es auf Sie?

Ich bin schon so viele Jahre alt und es kommt auf mich so viel Arbeit zu, dass wenn ich es nicht benutzt hätte, wäre ich, wahrscheinlich, nicht mehr arbeitsfähig, infolge der Lebensweise, die ich vor Anastasia führte, ja auch jetzt habe ich die Lebensweise nicht ganz berichtigt. Ich muss einfach so oft Städte besuchen, die viele wunderschön nennen - Berlin, Moskau, Sankt-Petersburg usw. Abgase, das Fehlen an normaler Nahrung. Und natürlich kann ich nicht in eine Dienstreise Nahrungsmittel mit sich herumschleppen, sonst muss ich viel mitnehmen. Deswegen muss ich oft die Nahrungsmittel essen, die alle essen, doch ich mag es nicht. Wenn ich nach Hause zurückkehre, nehme ich von Zeit zu Zeit zu mir nur Zedernöl, Blütenpollen, Honig und Milch. Aber nicht jene Honig und Milch, die man im Laden verkauft, sondern die natürlichen. Nun, wenn man sich von Zeit zu Zeit so ernährt, hilft es die Kräfte wiederherzustellen.

Und welche Methode des Ölgebrauchs ist Ihrer Meinung nach die effektivste?

Wir leben in solch einer Zeit, wo unsere Supermärkte nicht imstande sind, einem Menschen Nahrung anzubieten, die alles Notwendige für den Menschen enthält. Selbst wenn jene das auch gewähren können, so muss man dann von dieser Nahrung sehr viel zu sich nehmen und verdauen, um irgendein Gramm eines nötigen Stoffes zu bekommen. Und das Öl enthält alle Stoffe von dem Periodensystem der Elemente. Und selbst wenn man davon eine kleine Menge zu sich nimmt, sagen wir mal, pro Tag 1-2 Teelöffel, der wünschenswert aus Holz gefertigt ist, kann man dem Organismus das Fehlende geben. Und noch, es existieren sehr viele Arzneien, die von Menschen erfunden sind, es gibt sehr viele heilsame Tinkturen, die von den ziemlich bekannten Heilern hergestellt wurden. Ein Mensch, zum Beispiel, stellt eine Zusammensetzung aus 30 Kräutern her. Tatsächlich ist es sogar theoretisch wahnsinnig schwer zu machen, weil man wissen muss, wann dieses Kraut gepflückt werden soll, wie es zu verarbeiten ist, man muss wissen, im welchen Verhältnis diese Zusammensetzung gemacht werden soll, das heißt, die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers ist sehr sehr groß. Und das Zedernöl ist dieselbe heilsame Zusammensetzung, die aber von der Natur geschaffen ist, die Gott selbst herstellte. Es enthält ja alle Stoffe, die in den Pflanzen gibt, und jedes Jahr ist es unterschiedlich. Jedes Jahr kommen verschiedene Nüsse heraus. Die Natur adaptiert sich irgendwie. Was das Öl betrifft, so reagieren die Tiere darauf sehr gut. Ein Zobelweibchen wird niemals einen Zobel heranlassen, um gedeckt zu werden und um ein Junges zu gebären, wenn es auf die Zedernuss eine Missernte gab, weil sie gewohnt sind und wissen, was sich in der Nuss befindet. Die Wirkung des Zedernöls kann man in der Praktik auf eine ganz einfache und schnelle Weise testen. Wenn Sie ein Bad nehmen, können Sie in die Badewanne zwei Löffel eines beliebigen Öls geben. Nach dem Bad wird der Körper rutschig und nach dem Öl riechen, das hinzugefügt wurde. Danach muss man sich noch waschen, damit die unangenehme Empfindung vergeht. Und wenn man zwei Löffel Zedernöl zugibt, was besonders nötig für die Menschen mit trockener Haut ist, und in der Badewanne 15 Minuten liegt, verlässt man das Bad als ob junger geworden, wenn es Kratzwunden gibt, heilen sie zu. Man kann sich dann auch nicht abtrocknen, und die Haut ist nicht rutschig, sondern einfach samtweich. Und diese einzigartige Eigenschaft des Öls, berücksichtigt man dessen Zusammensetzung, hat einen kolossalen Effekt. Offensichtlich erhält die Haut sofort über die Poren alle Nährstoffe. Da, zum Beispiel, es gibt eine Erkrankung, bei der die Haut der Füße sehr trocken ist und Risse bekommt. Wenn man innerhalb von drei Tagen drei Wännchen mit Zedernöl macht, vorher die Füße aber waschen und mit einem Bimsstein reinigen, sind die Füße dann fast wie bei einem Baby. Nun, wenn auch nicht wie bei einem Baby, so werden sie mit jedem Tag immer besser und alles vergeht. Und keine Arzneien bringen ein besseres Ergebnis. Natürlich heilt das Zedernöl alle Magenwunden, wenn es solche gibt. Dessen Einzigartigkeit ist, dass es selektiv wirkt. Hat der Organismus gar keine Erkrankung, nährt es Organismus einfach, verstärkt die Immunität. Wenn es eine Erkrankung gibt, so lenkt das Blut alle Heilstoffe an die Stelle zum Kampf mit dieser Erkrankung, und sie wird besiegt. Die Wissenschaftler des Tomsk Universität kamen zu dem Schluss, dass das Zedernöl die Strahlenkrankheit heilt. Während des Experimentes mit Tschernobyler in Tomsk wütete die Grippe, die war so stark, dass die Schulen geschlossen wurden. In der Klinik, wo die Untersuchungen durchgeführt wurden, waren auch viele an Grippe erkrankt, aber keiner von denen, die das Öl zu sich nahmen, erkrankte.

Mehrere Jahre hat Ihre Bücher Verlag Wega herausgegeben, warum haben Sie sich entschlossen, den Verlag zu wechseln und wie ist jetzt Ihre Beziehung zu ihm?

Jeder Autor möchte, dass ein Verlag fachgerecht sein Buch herausbringt, in diesem Fall gab es viele Beschwerden über Verlag Wega, sowohl über die Ausgabe selbst, als auch über den Preis für die Bücher. Deswegen kann ich künftighin als Autor dergleichen nicht zulassen, mit anderen Worten, Verlag Wega kam nicht zurecht mit der qualitativen Buchausgabe. Zudem hat sich bei dem Verlag so viel ich weiß die Art der Tätigkeit geändert, sie betreiben jetzt verstärkt den Handel mit Zedernprodukten usw. Das heißt, sie benutzen meine Bücher als Werbung, obwohl ich nicht weiß, woher sie die Produkte nehmen, und deswegen kann ich keine Verantwortung übernehmen für die Qualität der Erzeugnisse, die sie verkaufen. Alle Originalerzeugnisse werden mit dem Zeichen "Die klingenden Zedern Russlands" hergestellt.
Ich betreibe keinen Handel und möchte nicht, dass jemand im Namen meiner Bücher dies tut. Würde der Verlag meinem und dem Leserwunsch entsprechen, wäre ich interessiert, dass er auch weiter meine Bücher verlegt, weil das aber nicht passierte, löse ich alle Beziehungen zu diesem Verlag auf.

Eine Frage zu den Landsitzen. Bis zur ersten Ernte hat man 3-5 Jahre Zeit nötig, bis die Zedern groß sind und eine Ernte bringen, muss man 20 Jahre warten usw. Wie können Menschen diese Jahre überleben, bevor sie von ihrem Hektar ein Einkommen haben?

Mir scheint, es gibt keine besondere Probleme, weil ein Mensch kann so arbeiten, wie er auch gearbeitet hat, doch plus zu dem kann er irgendwo sein eigenes Hektar haben, das er für die Zukunft bearbeiten wird. Einen Garten dort anlegen, eine Planung machen, den Boden vorbereiten. Und wenn er schon dafür 5 Jahre aufwendet, ist ja nichts Schlimmes; ist es etwa besser, wenn ein Mensch jetzt arbeitet und gar keine Perspektiven hat, oder er wird genauso arbeiten und eine Perspektive haben, dass er in 5 Jahren sein eigenes wunderschönes Land sowohl mit einem Garten, als auch mit kleinem Wald hat, auch wenn es dort kein Haus gibt, ist auch nicht schlimm. Ein Haus kann man schnell bauen.

Mit anderen Worten, Sie schlagen vor einen fließenden Übergang aus einer Stadt in den Landsitz. Der Mensch arbeitet in einer Stadt und nimmt das Land im Umkreis von 30-50 Kilometer, er arbeitet weiter in der Stadt und baut gleichzeitig einen Landsitz.

Ja, genau so, ich würde jedoch nicht sagen "einen Landsitz aufbauen", sondern den Landsitz vorbereiten, den Raum, den Boden vorbereiten. Weil ein Haus kann man in einem halben Jahr bauen. Und wie man richtig sagt, um einen Garten anzubauen, reichen auch zwei Jahre nicht. Deshalb ja kann man das Land nehmen und vorbereiten.

Welche Perspektiven haben Ihrer Ansicht nach die Familienlandsitze hier in Deutschland? Vielleicht haben Sie schon in Bezug darauf einige hochgestellten Beamten begegnet oder Umgang mit ihnen gehabt?

Nein, mit Beamten hier in Deutschland hatte ich keinen Umgang, und mir scheint, dass es die Sache jener Menschen ist, die in Deutschland leben, die Beamtensprache und deutsche Gesetze kennen. Es gibt nichts Unmögliches auf der Welt und die Menschen erfinden auch die Gesetze und diese werden auch von den Menschen umgeändert. Es gibt die Idee, und wenn sie einem Großteil der Menschen nahe liegt und verständlich ist, so wird sie durch diese Menschen in jedem beliebigen Staat, darunter auch in Deutschland, die Gesetze ändern. Und es werden optimale Varianten gefunden. Jetzt ist es wichtig, dass diese Idee so viele wie möglich Menschen begreifen. Weiter wird sich alles klären.

Könnten Sie ein Paar Ratschläge den Kleingärtner geben, wie man die Obstbäume behandelt, soll man sie beschneiden oder nicht usw.

Das erste, was machen soll, ist, die zu beobachten, was dieser Baum oder Strauch mag, man muss auch berücksichtigen, in welcher Gegend es wächst; wenn das eine Gegend mit wenigen Niederschlägen ist, so sollte man nicht danach streben, die Bäume zu gießen, sonst kann man sie ans Gießen gewöhnen und sie können dann ohne Gießen nicht mehr leben, die Wurzel dieses Baumes werden sich an der Oberfläche ausdehnen. Selbst in einer trockenen Gegend, wenn man einen Baum richtig schult, wird er auch eine Dürre aushalten, er schlägt seine Wurzel von Anfang an in die Bodentiefe, um das Wasser zu holen. Man muss also zuerst beobachten, was sich dieser Baum wünscht. Ein wenig kann man die Bäume beschneiden, doch die Bäume, zum Beispiel Apfelbaum, haben solche Eigenschaft - wenn er überflüssige Äste hat, wirft er sie selbst ab. Man soll es der Natur überlassen, diese Prozesse selbst zu regulieren. Man kann zum Beispiel den Wein vergleichen von einer Weinrebe, die man pflegt, düngt, strebt nach einer möglichst größeren Ernte, mit dem Wein einer Weinrebe, die unter natürlicheren Bedingungen wächst. Das ist ja die Antwort auf Ihre Frage.

Was meinen Sie, warum lernen viele Kinder schlecht in der Schule, nehmen sie vielleicht in ihrem Unterbewusstsein irgendwie kein künstliches Wissen wahr?

Jeder Mensch, auch ein Kind, hat einen Schutzmechanismus. Und natürlich, das, was in der heutigen Schulen geschieht, ist nichts anderes, als eine Unterdrückung des Kindes. Wenn man die Kinder fragt: "Möchtest du zur Schule gehen?", so denke ich, dass 90 % antworten würden: "Nein, das möchte ich nicht." Und warum will das Kind nicht in eine Schule gehen, warum zwingen wir unseres Kind das zu tun, was ihm unangenehm ist, das ist doch jeden Tag. Somit geben wir dem Kind negative Emotionen, und alle wissen, besonders die moderne Medizin und die Wissenschaft, dass die negativen Emotionen einen Menschen krank machen. Sein Immunsystem wird geschwächt, nichtsdestoweniger vergewaltigen wir das Kind und zwingen es, in die Schule zu gehen. Und dass die Kinder manche Information nicht wahrnehmen, ja Gott sei Dank, dass sie das machen. Wenigstens funktioniert ein Schutzmechanismus gegen den Quatsch, den man ihnen in der Schule einhämmert.

Können Sie noch über die Naturlaute und ihre Bedeutung erzählen?

Es gibt Information der künstlichen, technokratischen Welt, sie wird durch Laute, Lärm übertragen. Stadt-, Straßenlärm und die menschliche Sprache, Radio - sind auch Laute, doch es sind Laute der technokratischen Welt, sie tragen in meisten Fällen negative Information und werden von unserem Gehirn wahrgenommen. Es gibt auch Laute der Naturwelt, man sagt uns: Hört die Laute des Kosmos an. Ist denn das Singen der Vögel kein Kosmoslaut, das Rauschen des Blattwerks auf den Bäumen - das ist auch Laute des Kosmos und diese Laute sind zu uns durch Millionen Jahren gegangen und enthalten einen kolossalen Umfang der Information, das ist ein solch kolossaler Umfang, den man unmöglich mit dem Gehirn, mit der Vernunft wahrnehmen kann. Das kann man nur mit den Gefühlen wahrnehmen. Die Gefühle sind Konzentration in einem Punkt eines riesigen Umfangs der Information, mit anderen Worten, wenn ein Mensch eine Blüte anschaut, denkt er nicht, wie schön die Blütenblätter sind, wie sie oval, gelb sind usw. All dieser riesigen Informationsumfang ist bei ihm nur in einem konzentriert - im Gefühl der wunderschönen Blüten. Genauso ist es, wenn man dem Vögelsingen, dem Windrausch, dem Naturduft zuhört. Doch für viele Menschen ist das unmöglich, weil es sehr wenige reine Naturlaute ohne Beimischung der technokratischen Welt gibt. Ungefähr solche Laute können wir im Wald hören, nicht in jenem Wald, der mehr an ein Park oder eine Grünanlage ähneln, sondern in einem Wald, der ohne Einmischung eines Menschen lebt. Und diese Laute geben dem Menschen sehr viel, er trägt große Kenntnisse davon, die sich dann ihm allmählich öffnen. Und ich denke, es ist notwendig, von Zeit zu Zeit die Kinder in solche Plätze zu führen, wenigstens ein Mal im Monat, und dem Kind zu ermöglichen, dort einige Zeit allein zu sein. Es kann sich von etwas hinreißen lassen, von einem Käferchen oder von etwas anderem, man soll es nicht ablenken, weil wenn wir zu zweit in einem Urwald sind, werden wir trotzdem einander ablenken, einige Laute werden wir nicht mehr hören, und man soll eben allein eine Weile bleiben.

Also vom Kind fünf oder zehn Schritte weggehen, um es nicht zu stören.

Ja, wenn es sich an etwas interessiert, mag das eine kleine Zeitspanne sein, doch selbst in dieser kleinen Zeitspanne kann es soviel Luft schlucken, ich meine Information, dass sie sich dann bei ihm im Laufe von zwei Jahren öffnet.

Es ergibt sich also, dass die Naturlaute starke Bilder tragen, die für Menschen Gott erschuf?

Natürlich, der Mensch nimmt diese Bilder gleichzeitig mit allen Gefühlsorganen wahr. Zum Beispiel, Sie befinden sich in einem Wald, dort ist Laut vorhanden, Duft ist vorhanden, Sie sehen verschiedene Formen der Pflanzen. Da ist ein ganzer Komplex anwesen, es ist ein reines Bild und dieses Bild trägt positive Information, nur die positive. Aber ich wiederhole, dass auf der Erde leider nicht viele solche Plätze gibt, wo es möglich ist, diese Information zu schöpfen, doch es gibt sie noch. Niemand kann ja die Frage beantworten, warum die meisten Denker in die Wälder gingen, wir nennen sie Einsiedler, aber für jene Menschen sind wir Einsiedler, weil wir von der Information abgeschnitten sind, wir sitzen in einem Zimmer und verbrauchen lauter künstliche Information. Da haben wir die Antwort. Man kann zum Beispiel Kelten nehmen, die Römer waren entzückt von ihnen, bei den Kelten galten Druiden als weiseste Lehrer, und wenn von ihnen ihre Feinde sprechen, bedeutet das sehr viel, und die Römer waren ihre Feinde, und doch sagten sie, dass die Kelten mit einem Bein fest in der materiellen Welt stehen, und mit dem anderen - in der geistigen Welt. Die Kelten hatten ihrerseits eigene Lehrlinge und die Ausbildung fand im Wald statt und die Druiden lebten auch im Wald. Und dann noch diese erstaunliche Schrift der Druiden. Sie gaben ihr Wissen an Eingeweihte mit Hilfe von den Baumblätter weiter, es war eine lange Gebäude, wir nennen das "Scheune", da waren lange Stricke aufgehängt, darauf reite man Blätter auf, und der Lehrling ging und las diese Blätter, da waren keine Buchstaben geschrieben, aber jedes Blatt hat doch eine eigene Bezeichnung, also den Anfangsbuchstaben, und der ging und las. Sie gaben dem eine große Bedeutung zu, weil selbst ein Buchstabe ein eigenes Bild hatte.

Nach dem Erscheinen des sechsten, siebten Buches in Russland äußerte sich bei den Lesern Interesse für Heidentum. Können Sie darüber mehr erzählen?

Meiner Meinung nach kann man das Heidentum über Bräuche studieren. Ich beabsichtige zusammen mit Anastasia, wenn ich Zeit habe, ein Ritusbuch herauszubringen. Sie hat nun einige Sprüche und einige Bräuche erzählt, darunter auch den Hochzeitsbrauch, und wenn man das wieder liest, sieht man, dass es eine große Kultur, großes Wissensniveau war, ich möchte aber die Angaben von jenen Festen sammeln, die bis an unsere Zeit gekommen sind: Die Fastnachtswoche (russ. masleniza: auch Fasching, Butterwoche - Anm. d. Ü.), Neues Jahr und andere Feiertage, sie sind in einer sehr kurzen Form an uns gelangt. Nehmen wir dieselbe Fastnachtswoche - das ist ein außergewöhnlich lustiges Fest - ein Erlebnis. An diesem Feiertag hat die Frau ein Gewand gezeigt, sie schmückte ihren Mann mit einem Hemd, das sie selbst geschnitten, gestickt, genäht hatte. Das war ein Wettbewerb, wo die Menschen nicht nur ihre Meisterschaft in Kleidung zeigten, sondern auch eine Art von Gewandtheit sowohl physisch als auch geistig, das war ein Kochkunst-, poetischer Wettbewerb. Oder zum Beispiel Koljadki (russ., so etwa wie Weihnachtslieder), wenn die Kinder durch die Häuser gingen und für jeden Menschen über ihn persönlich Gedichte verfassten, die Kinder haben das gemacht! Und dieser Mensch, wenn ihm etwas gefallen hat, bedankte sich bei den Kindern: Schenkte ihnen etwas zur Erinnerung. Die Bedeutung dieses Festes liegt auch im Erkenntnisaspekt, das ist schwerlich zu bagatellisieren und es ist mit nichts zu vergleichen. Es stellt sich also heraus, dass alle Wettbewerbe, die heute existieren, kommen von diesem Fest. Dieser Feiertag ist wie Stammvater dieser Wettbewerbe, und es gab noch viel Erstaunliches und Entzückendes bei dieser Kultur.

Und zum Schluss, was wünschen Sie den Menschen, die unsere Internetseite, die Anastasia gewidmet ist, besuchen.

Erstens, ich möchte gleich all diejenige, die diese Seite besuchen werden, beglückwünschen, ich wünsche den Administratoren dieser Seite schöpferische Erfolge. Ich denke, diese Seite hat eine große Zukunft in Deutschland. Nach dem zu beurteilen, was in Russland stattgefunden hat, ist diese Seite eine der zum ähnlichen Thema am meisten besuchte. Ich denke, dasselbe wird auch in Deutschland geschehen und auf dieser Seite werden sehr viele weise Gedanken, konkrete Vorschläge erscheinen, was und wie man's macht. Ich denke, dass die Menschen werden sich kennenlernen. Ich wünsche euch alles Gute.

Übersetzt von Josef Heidt

Interview mit Michail Schetinin
"Die Russen leben immer im kommenden Tag..."
Michail Schetinin - Leiter der Russischen Stammschule - Akademiker RAO

- Michail Petrovitsch, wir sind zum ersten Mal in Ihrem Zentrum der komplexen Persönlichkeitsgestaltung von Kindern und Jugendlichen im Dorf Tekos, Region Krasnodar, das man kürzer und genauer noch Stammschule nennt. Das, was wir gesehen haben, ehrlich gesagt, überrascht. Ihre Stammschule ist ein Entwicklungsweg der Vaterländischen Bildung und Erziehung im 21. Jahrhundert.

- Ungeachtet dessen, dass wir offiziell das Schulmodell der Zukunft ausarbeiten, wäre ich doch bescheidener in der Behauptung, dass wir den Menschen des 21. Jahrhunderts vorbereiten. Es ist zu schwerwiegend, so zu sprechen. Und die Zukunft lockt immer jeden beliebigen Lehrer, um so mehr, wenn er ein russischer Mensch ist. Die Russen lebten immer im Morgen.
- Der heutige Tag für uns - das ist gestern, und der morgige Tag ist, umgekehrt, die heutige Realität. Anders ausgedrückt, das russische Volk ist ein Volk, das immer in Bewegung bleibt. Genau deshalb wird Russland stets von denjenigen nicht durchschaut, wer es zu begreifen versucht: Während man uns im Heute begreift, leben wir schon im Morgen. Der russische Mensch lebt nicht nur "hier" und "jetzt", sondern auch noch "überall" und "immer". Als ob wir aus dem Morgen, daraus, was sich in einer Perspektive entfernt, ins Heute sehen und hier, jetzt arbeiten. Da entsteht nun die "Ewigkeit" - du siehst Bewegung in der Ewigkeit und, davon ausgehend, arbeitest hier. Wir beginnen doch nicht das Leben, wir sind Teilnehmer eines Prozesses, das nicht von uns angefangen wurde. Und wenn wir irgendetwas zu verändern beginnen, dann müssen wir uns an ein berühmtes Sprichwort erinnern: "Miss hundert mal, schneide einmal ab." Ich würde auch eine größere Zahl nennen - tausend mal muss man messen, bevor man abschneidet. Drang nach Ewigkeit erfüllt die Welt. Russland ist das Dienen an Ewigkeit. Wir werden niemals Raffer sein, solange wir Russen sind. Indem wir abgeben, werden wir reich, und, nur dienend, können wir leben. Deshalb besteht unsere Aufgabe nicht darin, die Vergangenheit zu ändern, zu verneinen, sondern sie zu ergänzen. Überhaupt scheint es mir, dass berühmtes Gesetz "Verneinung des Verneinens" in der russischen Philosophie anders lautet - das Gesetz "Ergänzung des Ergänzens." Das heißt, wenn du in Bewegung lebst, ergänzest du dieses Prozess, und nicht verneinst - du dienst der Zukunft und verwirklichst damit deine Pflicht. Ich spreche nicht zufällig von Russland, vom russischen Volk. Wir denken hier sehr viel über Russland, über dessen Vergangenheit, sehen genau hin, was auf dem Papier geschrieben steht, und darauf, was in unseren Genen geschrieben steht. Es stellt sich heraus, dass auch die Genen sprechen können, wenn man sich an sie wendet. Es gibt solches Gefühl, dass jeder Mensch persöhnlich alles erlebt hat, und dann ist jeder Mensch nicht eine einzelne menschliche Einheit, sondern ein Mensch des Familienstammes. Und wenn es kein solches erfülltes Gefühl gibt, dann bin ich ein Mensch irgendeines Stammgliedes oder mehrerer Glieder. Jeder Mensch ist also nicht einfach ein 18-Jähriger, 30-Jähriger oder 54-Jähriger, sondern "Ich bin der ganze Stamm", und dann trage Ich in mir eine Persönlichkeit.


- Scheint es Ihnen, dass ein russischer Mensch dann wirklich Russe wird, wenn er sich als Kämpfer mit dem Weltböse bewusst ist?

- Russland kämpft nicht gegen das Weltböse. Es dient der Reinen Kraft, und es ist selbst die Reine Kraft. Eine Festigung der Reinen Kraft ist unmöglich unter den Bedingungen, wenn du gegen irgendwelches Böses ein Krieg führst. Das Prinzip der Karawane gefehlt mir sehr - die Hunde bellen, und die Karawane läuft. Ich selbst habe so mein Leben aufgebaut. Und wenn ich auf jedes Gebell geantwortet hätte, würde ich mich verirren und den Sinn der eigenen Bewegung verlieren. Deswegen müssen wir den eigenen Weg der Reinen Kraft gehen, dann bleibt an uns keine böse Kraft kleben. Deswegen muss man es schaffen, das Leben auf russisch, nach eigener Art zu verleben, und keine Feinde, kein Übel suchen, um damit zu kämpfen. Man muss eigenes aufbauen. Und indem wir die Reine Kraft festigen, bekämpfen wir auch das Böse selbst. Ich verhalte mich sehr ernst gegenüber der russischen Frage, weil es mein Volk ist, das ist meine Heimat. Bei uns im Zentrum gibt es Menschen verschiedener Nationalitäten, doch wir alle bauen Russland auf. Vor kurzem habe ich ein Brief eines 13-Järigen Mädchen aus Baschkirien gelesen. Und sie schreibt von Russland - wie wichtig es ist, unseres Russland zu bewahren. Wie viel Liebe legt sie diesem Begriff bei! Wie ich das sehe, Russland ist der Hüter des Ursprungs. Wir sind später als alle andere in die westliche Welt gegangen, wo der Privatmensch alles überwiegt, und wo am wichtigsten materielle Werte sind. Wir kannten niemals geistiges Sklaventum und haben das Ursprüngliche aufbewahrt. Wobei in das Wort "wir" bringe ich nicht nur Menschen, die jetzt leben, sondern auch unsere Urahnen, die sich in unseren Genen offenbaren und im ganzen russischen Raum - in den Feldern, im Grund, in den Flüssen zerstreut sind. Nicht umsonst sagt man ja das -"Don-Väterchen", "Erde-Mütterchen." Und unsere Vorfahren fragten die Steppe um Erlaubnis, bevor sie ein Gräschen zur Behandlung der Kranken mitnahmen. Für uns ist alles lebendig.

- Welches Prinzip hat die Grundlage Ihrer Lehrtätigkeit?

- Ein inniges Gefühl der Achtung vor demjenigen, mit dem man arbeitet. Bei uns in der Schule gibt es 300 Menschen, wenn wir jetzt hin gehen und schauen - sie beschäftigen sich alle, und dabei steht niemand über sie, niemand zwingt sie ständig etwas zu lernen. Außer dem Gewissen. Niemand von ihnen lernt ja für sich selbst. Das Motiv ihrer Tätigkeit ist einzig - ich lerne nicht für mich, aber für meinen Familienstamm, und dadurch für mein Volk. Und durch mein Volk diene ich den Menschen anderer Völker, dadurch nun - der ganzen Weltgebäude, vom Vögelchen bis zur Galaktik. Also das Wichtigste ist das Sichrichten nach dem anderen.

- Michail Petrowitsch, unter welchen Menschen wählen Sie Ihre Schüler aus?

- Ja unter denjenigen, wer zu uns kommt. Wir sind in einer sehr schweren Lage in diesem Sinn: Im vorigen Jahr hatten wir mehr als dreitausend Bewerbungen auf einen Platz, aus ganz Russland. Wir aber können nur 300 Menschen erhalten.

- Sprechen Sie persönlich mit denjenigen, die zu Ihnen kommen?

- Immer nur persönlich - zuerst ich, dann alle Kinder zusammen. Zunächst ist es ein allgemeiner Gespräch über den Lebenssinn, zusammen kommen wir zu dem Gedanken, dass der Sinn des Lebens im Dienst an eigenem Familienstamm und eigenem Volk besteht. Nach dem Gespräch beraten wir uns - nun, wie, wohin? In jedem Fall registrieren wir ihn. Und weiter je nach Umständen. Haben wir einen Platz frei, laden wir ihn zur Sommerprüfung, eben im Sommer, um ihn nicht loszureißen vom Unterricht in der Schule, wo er lernt.

- Und was für Prüfungen sind es?

- Auf Leben. Im Sommer haben wir eine Baustelle, das Leben ist sehr abwechslungsreich, und man sieht sehr gut jeden Neuling. In den ersten Tagen strengen sie sich in der Regel an und zeigen sich nicht, dann aber beginnen sie, sich immer mutiger und mutiger zu zeigen, und wir sehen den Menschen. Fühlt er sich bei uns wohl, dann heißt es, dass alles in Ordnung ist. Deswegen kann man ruhig sagen: "Gefällt es dir hier? - Ja, es gefällt mir sehr gut." Das war's - er ist unser Mensch.

- Und dann beginnen Sie, die Kinder zu lehren...

- Niemand lehrt sie. Übrigens, nach meiner Vorstellung, - einem modernen Lehrer wird sie vielleicht lächerlich erscheinen, - es ist überhaupt nicht nötig, die Kinder zu lehren. Sagt man doch: "Lehre mich nicht leben. "Niemand lehrt das Weizenkorn, wie man die Ähre aufbaut, sind wir Menschen etwa unvollkommenere Grundsätze, als der Weizensame? Niemand bringt es dem kleinen Käferchen bei, da gibt's kein Lehrprozess, keinen Lehrstuhlleiter, keinen Direktor, kein Bildungsministerium, man schafft keine Verläge, keine Lehrbücher. Ja was gibt's denn dort? Ja dort gibt es eben dieses Stammgedächtnis. Nach meiner Vorstellung ist in unserem Stammgedächtnis die ganze Information vom ganzen Kosmos niedergeschrieben, bei dem wir seit alters her eingetragen sind, und jetzt haben wir Erinnerung davon, vom dessen Aufbau, von Bewegungsgesetzen darin, aber auch davon, wie man in diesem System zu leben hat. Deswegen muss die ganze Erkenntnistätigkeit auf solche Weise organisiert sein, sodass ein Kind sich nicht auf Leben vorbereitet, sondern lebt. Die Lungen bereiten sich nicht auf Atmen vor, sie atmen. Die Kinder müssen sich nicht auf Leben vorbereiten, sie müssen hier und jetzt leben, das Stammgedächtnis hat die qualitativste Information über verschiedene Lebensweisen in dieser unermesslichen Welt. Das einzigste, wo wir einem Kind helfen können, ist deshalb - wir helfen ihm, sich selbst zu realisieren, mit all seiner Unermesslichkeit, in dieser fließenden Zeit, Sprache und Mitteln zu finden, wie man diese Unermesslichkeit, das eigene Kosmische heute an den Tag legt, wie in der Ewigkeit.

- Was hilft dem Kind am meisten, die eigene Unermesslichkeit zu finden?

- Das wichtigste Fach hier bei uns ist die Geschichte des Vaterlandes. Ich bin überzeugt, dass man heute nicht von Gesundheit der Nation sprechen kann, wenn das Hauptfach in der Schule nicht Geschichte wird. Und noch - das Wort, das heißt russische Sprache und Literatur. Die Geschichte und das Wort - sie sind unteilbar.

- Was ist noch für die Persönlichkeitsentstehung eines Kindes wichtig, außer Kenntnis der Geschichte und des Wortes?

- Die Fähigkeit zu arbeiten. Wobei äußerst wichtig ist "umsonst" zu arbeiten. Auf keinen Fall für Geld. Die Kinder müssen im System des Gutschaffens wachsen, sie müssen abgeben - nicht erhalten, sondern abgeben. Wir selbst bauen viel nicht deshalb, weil wir arm sind. Ja, wir haben kein Geld, ja, wir brauchen Geld. Aber wir bauen (haben Sie bemerkt, wie wir bauen?), und wir bemühen uns, möglichst schöner zu bauen. Das bauen Kinder: Sie sind bei uns sowohl Mauerer, als auch Montagearbeiter, und Dachdecker. Sie machen die ganze Arbeit. Nicht mit einer ausgestreckten Hand muss das Kind stehen, im Gegenteil, es muss im Prozess des Gebens sein, an denjenigen, wer bedürftig ist. Wenn das Kind abgibt, dann wächst es. Denn sich hingebend, findet man in sich alles.

- Wir haben bemerkt, dass die Kinder in Ihrer Schule sich als Erwachsene empfinden, und nicht als Lehrlinge...

- Wir haben keine Lehrlinge in reiner Form. Jeder ist im etwas, irgendwo Lehrer oder Experte. Wir sind eine staatliche Einrichtung und haben eine staatliche Aufgabe - wir müssen ein Model der "Zukunftsschule" für Russland ausarbeiten. Wer sind wir? Und wir alle sind sowohl Lehrer, als auch Lehrlinge. Wir alle sind Mitarbeiter. Wir haben ein richtiges Kollektiv von Mitarbeitern. Mittleres Alter unseres Kollektivs ist 14-16 Jahre, doch wir haben Lehrer, die 7-8 Jahre alt sind, es gibt aber auch Lehrer, die 54 sind. Das bin ich, der älteste. Bei uns sind alle in wissenschafts-produzierende pädagogische Vereinigungen unterteilt. In jeder gibt es Kinder von unterschiedlichen Alter. Jede Vereinigung hat ihren eigenen Namen - "Sinegorje" (Blaugebirge), "Belogorje" (Weißgebirge), "Ross"... Wir haben auch Lyzeen. Wobei ein Leiter des Lyzeums unser 16-Jähriger Mitarbeiter sein kann. Es geht eine stetige Arbeit voran - heute bist du Lehrling, studierst Chemie oder Physik, und morgen bist du Lehrer - unterrichtest Geschichte oder Geografie. Dabei kann ein Jüngere, der sich den Stoff angeeignet hat, ihn den Älteren unterrichten. Und wir alle führen bestimmte wissenschafts-pädagogische Aufgaben aus. Ich werde gleich einen beliebigen Menschen hierher bitten und fragen: Welches wissenschaftliches Thema hast du, woran arbeitest du? Er wird sagen: Entweder Chemie, oder Mathematik; schreibt er ein Lehrbuch, oder ein Kapitel in diesem Lehrbuch. Sie schaffen reale Lehrmittel und -bücher. Wir machen sie nicht als Lehrbücher für ganz Russland, wir benutzen diese Lehrbücher als Wachstumssystem der Kinder selbst, weil in künftigen Schulen Russlands werden Studierende und Lehrer die Lehrbücher selbst machen. Also sowohl die Lehrer als auch die Schüler sind unsere Schule, und sie alle sind Forscher. Einen besonderen Wert legen wir auf die Volkschoreografie, auf den Volksgesang, auf das Volkshandwerk und auf die russische Volkskampfkunst. Die russische Kampfkunst baut nicht auf Aggression, sondern auf Liebe - "suche keinen Feind, sondern Reine Kraft." Die Russen haben fröhlich Krieg geführt. In der russischen Kampfkunst gibt es keinen Griff, dort gibt es Denken. Die Siegesdenkweise. Eine große Bedeutung legen wir den Details bei. Sie haben doch gesehen -jeder Ziegel innerhalb der Gebäuden bei uns ist bemahlt. Das ist keine Verzierung, das ist unsere reine russische Äußerung - alles über alle Maßen schön zu machen, allem den höchsten Sinn zu verleihen. Der Sinn des Lebens wird ja dann zu Realität: Ich diene dem anderen, ich diene der Wahrheit. Wissen Sie, die Schule soll doch nicht auf "Sozialbestellung" arbeiten, sie hat für die Wahrheit zu arbeiten. Sobald der Lehrer einem Regierungsklan zu dienen angefangen hat, ist er zu einer Lehrkraft geworden. Die Schule muss der Wahrheit dienen. Die Kinder kommen hierher, um die Wahrheit zu finden, und sie findend, festigen sie die weiter in jener Welt, die wir (vorläufig bedingt) erwachsen nennen.

- Gibt es bei Ihnen Religionsunterricht?

- Unseres Zentrum ist eine staatliche, weltliche Einrichtung, doch die orthodoxe Religion ist die Wurzelbasis unseres Lehrprozesses. Wir Unterrichten keine Religion, doch wir führen an Gott heran. Bei uns lernen ja Kinder verschiedener Nationalitäten und Glaubensbekenntnissen. Sehr wichtig ist es, sich gegenüber dem Glauben wie gegenüber einem intimen Ursprung zu verhalten, es ist doch ein sehr zärtliches Gefühl. Und unsere Studenten-Architekturen projektieren jetzt einen Tempel, den wir in Tekos errichten möchten.

- Wie werden die Verhältnisse zu Eltern aufgebaut?

- Ich hatte ein Gespräch. Man hat einen Jungen mitgebracht und, um mich zu überzeugen, dass man das Kind nehmen sollte, erzählt man in Anwesenheit des Kindes über seine Eltern: Dass sie Säufer seien, dass sie sich nicht um ihn kümmern, dass sie zu Alkoholikern wurden. Und er, der Kleine, schrumpfte zusammen, sträubte sich ganz. Und ich denke, wie soll ich sie denn anhalten, um ihn selbst zu verteidigen. Ich sage: "Ich kenne diese Eltern, sie haben wunderbar in der Sowchose gearbeitet, sie waren Spitzenarbeiter in ihrem Betrieb, sie waren gesichert, und, an seine Zukunft denkend, waren sie ruhig, sie bauten ein Haus. Doch eines Tages stürzte das alles plötzlich ein, und sie konnten einfach nicht ihre Liebe zu ihm mit den Realien in Verbindung bringen, die sich heute geöffnet haben. Und sie hielten es nicht aus, stürzten ab. Das ist doch eine Not, das Elend..." Ich habe diese Situation ausgedacht, genauer gesagt, modelliert... Und wissen Sie, er fasste mich plötzlich an den Schultern, presste zusammen und begann zu schluchzen. Nicht einfach weinte er, er schluchzte, und er ist vielleicht 11 Jahre alt. Ein Kind soll niemals über seine Eltern urteilen, weder über Vater, noch über Mutter. Sie sind doch in mir, sie sind doch meine Zellen, sie sind ja "Ich". Wie kann die Eichel über den Baum urteilen, und das Blatt über den Stamm, das ist doch absurd! Es gibt keinen anderen Weg, selbst einen rein biologischen, außer den einen - eigene Eltern nur zu lieben. Und ihre Fehler - das sind meine Fehler, ihr Krieg - das ist mein Krieg. Deshalb verfolgt der Begriff "Stammschule" ein einziges einfaches Ziel: Gelingt es uns nur, Kinder und Eltern mit Liebe und Treue zu verbinden, dann haben wir also einen gesunden Menschen aufgezogen. Wir haben einen wunderbaren Born -n das Gedächtnis aller vorangehenden Generationen, deswegen ist ein liebevoller Umgang mit eigenen Wurzeln eine Anschlussmöglichkeit an diese Schatzkammer. Und dann wer weiß woher erscheint der Gedanke - ich bin nicht einfach ein einsamer Mensch, ich bin ein Stammwesen. Ich habe Ehre, meine Familie, meinen Vater, meine Mutter, meine Opas und Omas, meine Urahnen vorzustellen. Sodann bin ich ein normaler Mensch.

- Bezahlen die Eltern etwas für das Lernen der Kinder in Ihrer Schule?

- Die Kost bei uns ist frei, der Unterricht und die Verpflegung sind kostenlos. Es gibt solches grobes Wort, ich werd es aber sagen: Verrecken. Ich werde verrecken, nehme aber niemals eine Kopeke von einem Kind, weil wenn ich Geld von ihm nehmen würde, ist es vorbei - als Lehrer bin ich am Ende.

- Wie ist Ihr Abiturient?

- Die Jungen absolvieren bei uns nicht einfach den Lehrgang einer Mittelschule. Eben hier studieren sie in der Hochschule, wobei sie gleichzeitig in zwei-drei Hochschulen, in verschiedenen Fakultäten studieren. Und mit 17 kann ein Junge oder ein Mädchen schon zwei Hochschulbildungen haben, ein Lyzeum leiten, Verfasser der Lehrbücher sein. Das ist aber nicht das Wichtigste. Unser Absolvent weißt, wem er dient: Er dient Russland. Und er kennt die Schwierigkeiten des Lebens, er verarbeitet sie gedanklich, mehr noch, er baut das Leben jetzt, er tastet das mit Händen ab: Und Geld kann er zählen, und bauen kann er, und wenn es nötig ist, sich selbst zu verteidigen - auch das kann er; er ist ein freier, starker, kräftiger Mensch. Wir bauen doch ein reales Haus, und unsere Abiturienten stehen fest auf dem Boden. Sehr große Bedeutung legen wir dem Menschen als einem universalen Wesen bei. Ein Mensch-Fach - das ist nicht normal. Unsere Aufgabe in diesem Zusammenhang ist einzig: Alles Mögliche zu tun, sodass er eine beliebige soziale Rolle erfüllen kann. Von einem Präsidenten bis zu einer guten Köchin. Wir möchten, dass er alles fachgerecht macht, was er auch immer tut. Da macht er sich ans Fußbodenscheuern, das muss für ihn als wichtigste Tat in seinem Leben sein. Muss er Kartoffel schälen - schält er wie kein anderer. Und so in allem. Ich öffne noch eins unserer Prinzipien. Nun werde ich jetzt über Korridor gehen, und Sie werden hören: "Grüß dich, der Große." Weil alle Mensche groß sind. Sie, als Vertreter Ihres Familienstammes, können nicht klein sein. Doch wir alle sind ja Kinder - bis zum letzten Atemzug. Obwohl, aufwachsend, für alle Fälle, damit man von uns nicht schlecht spricht, beginnen wir uns selbst zu erniedrigen, in irgendein schmales und niedriges soziales Rähmchen hineinzupressen. Das soll man nicht tun. Verstehen Sie: Jeder Mensch, und um so mehr ein Kind, braucht dennoch eine Höhe. Deswegen erheben wir immer das Kind und immer, wenn wir einander begegnen, sagen wir ihm: "Grüß dich, der
Große!"

Es sprachen Sergej Perewesenzew und Marina Ganitschewa

Übersetzt von Josef Heidt

Interview mit Michail Schetinin - Leiter der Russischen Stammschule - Akademiker RAO

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